Wir können so viel ungenutztes Potenzial heben
Der Arbeitskräftemangel ist – unabhängig von saisonalen Schwankungen – in aller Munde, der demografische Wandel wird seinen Teil zur Verschärfung dieser Situation in den nächsten beiden Jahrzehnten beitragen und immer wieder wird eine Lösung thematisiert und doch nicht so richtig auf die Spur gebracht: Das Erwerbspotential von Frauen!
Der Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit hat die deutsche Wirtschaft in den letzten 20 Jahren deutlich gestärkt. Heute sind über 46 Millionen Menschen erwerbstätig (Statistisches Bundesamt 2022) – ein Rekord, der ohne die steigende Beteiligung von Frauen kaum denkbar gewesen wäre. ABER, es arbeiten fast 50 Prozent der Frauen in Teilzeit; viele von ihnen würden gern mehr Stunden arbeiten (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2022).
Meist scheitern sie an unflexiblen Arbeitsmodellen und einer unzureichenden Kinderbetreuung. Fast die Hälfte der in Teilzeit arbeitenden Frauen gibt als Grund familiäre Verpflichtungen an. Für Frauen mit jüngeren Kindern liegt der Wunsch bei 20 bis 30 Stunden pro Woche, während Mütter älterer Kinder sogar fast Vollzeit arbeiten möchten (DIW-Studie 2022). Gleichzeitig wünschen sich viele Vollzeitbeschäftigte, insbesondere Männer, weniger Arbeitszeit. Eine Neuverteilung der Arbeitsstunden könnte also beiden Gruppen entgegenkommen. Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Verpflichtungen darf nicht nur eindimensional gedacht werden – das betrifft alle, so betont es auch Lisa Paus:
„Familiengerechte Arbeitsbedingungen sind entscheidend, damit Mütter, Väter und pflegende Beschäftigte Familie und Beruf gut vereinbaren können. Eine familiengerechte Arbeitswelt trägt dazu bei, dass vor allem Frauen mit Familienverantwortung (mehr) arbeiten können.“
Um den Wiedereinstieg gerade für Frauen, an denen doch noch immer das Gros der Care-Arbeit hängt, zu erleichtern und das Arbeitsvolumen zu erhöhen, sind Anpassungen an unterschiedlichen „Stellschrauben“ gefragt, z. B. beim Elterngeld; eine gleichberechtigte Verteilung der Elternzeit, ähnlich wie in Island, könnte Eltern helfen, nach der Geburt wieder in den Job zurückzufinden und ihre Arbeitszeit langfristig anzupassen (OECD-Bericht 2021). Viele Familien in Deutschland wünschen sich eine egalitäre Aufteilung der Erwerbs- und Care-Arbeit und können diesen Wunsch aufgrund äußerer Rahmenbedingungen nicht verwirklichen. Auch das „Führen in Teilzeit“ würde dabei helfen, mehr Frauen in die Führungsetagen zu bringen und generell Karriere auch in Teilzeit zu ermöglichen. Beide „Stellschrauben“ würden Paaren helfen, Vereinbarkeit gleichberechtigt zu leben. Last – not least – würden steuerliche Anpassungen den Anreiz zur Erwerbsarbeit für alle erhöhen, denn Ehegattensplitting und Minijob-Regelungen bremsen vor allem Frauen im Arbeitsmarkt und sorgen für das große Problem der Altersarmut (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2022).
Wir brauchen insgesamt mehr Flexibilität, um Familien (i. e. Frauen und Männer, die Care-Arbeit mit beruflichem Wirken in Einklang zu bringen haben) mehr Spielraum im Arbeitsmarkt bieten und mehr #Gleichberechtigung herstellen zu können.
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