Am 26. Februar 2026 wurde es beim Abschluss unseres mentoring4fempreneurs im DigitalHub Bonn feierlich. Über mehrere Monate hinweg haben sich erfahrene Unternehmerinnen und ambitionierte Mentees in Tandems ausgetauscht, voneinander gelernt und ein Netzwerk aufgebaut, das über den offiziellen Programmzeitraum hinaus Bestand haben dürfte. Unternehmerinnentum entsteht nicht allein aus Ideen, ein bisschen Mut und Marktchancen. Gründung braucht auch Orientierung, ehrliches Feedback und Vorbilder, die zeigen: Der Weg ist machbar. Genau hier setzt mentoring4fempreneurs an.

Mit rund 585.000 Existenzgründungen 2024 wurde insgesamt ein Wachstum von 3 % gegenüber dem Vorjahr erreicht (KfW-Gründungsmonitor 2025). Frauen sind bei Existenzgründungen in Deutschland jedoch strukturell unterrepräsentiert und weisen bereits eine geringere Gründungs­neigung auf. Ihr Anteil an allen, die unabhängig von ihrer aktuellen persönlichen Situation lieber selbstständig statt angestellt wären, liegt im Durchschnitt bei 37 %. Und Frauen gründen anders als Männer. Sie tendieren eher zu Gründungen in den freien Berufen, als Soloselbst­ständige, im Nebenerwerb und sind bei innovations- und wachstums­orientierten Start-ups seltener vertreten. Laut Female Founders Monitor 2025 war der Anteil von Gründerinnen im deutschen Startup-Ökosystem zuletzt auf 18,8 Prozent gesunken, nach mehreren Jahren zarten Wachstums. Gleichzeitig fließen 91 Prozent des Venture-Capital-Finanzierungsvolumens an rein männliche Gründerteams. Das ist mehr als eine Statistik. Es ist ein Hinweis darauf, dass Innovationspotenzial, unternehmerische Energie und wirtschaftliche Chancen in Deutschland noch immer ungleich verteilt sind. Neben Hindernissen wie Fehlanreizen im Transfersystem sind es vor allem kulturelle Rahmenbedingungen, also weiche Faktoren, die die Gründungsaktivität von Männern und Frauen unterschiedlich beeinflussen. Geschlechterstereotype werden bereits früh durch Eltern und Lehrkräfte vermittelt und prägen Bildungs- und Berufswahlentscheidungen. Sie führen bei Gründerinnen oft zu höherer Risikoaversion und zu einem geringeren Vertrauen in die Erfolgschancen einer Fremdfinanzierung.

Auch die familiäre Arbeitsteilung orientiert sich nach wie vor stark an traditionellen Rollenbildern, was für viele Gründerinnen eine Doppelbelastung bedeutet. Außerdem fehlen weibliche Vorbilder, sei es als Gründerinnen oder Investorinnen, die Orientierung und Motivation geben könnten. Im mentoring4fempreneurs-Programm geben erfolgreiche Unternehmerinnen genau das. Orientierung, Motivation und den ein oder anderen fachlichen Impuls.

 

Video-Credit: Anastasia Löwen, Loewen-Create

Mentoring ist kein „Soft Factor“, sondern Wirtschaftsförderung.

Sie sind ein wirtschaftlich relevantes Instrument. Denn was auf den ersten Blick wie persönlicher Austausch wirkt, adressiert mehrere der zentralen Engpässe, mit denen Gründerinnen konfrontiert sind: Informationsasymmetrien, fehlende Vorbilder, Unsicherheit in komplexen Entscheidungsprozessen, geringe Sichtbarkeit und ein oft noch lückenhaftes berufliches Netzwerk. Genau das wurde auch beim feierlichen Abschluss im DigitalHub Bonn spürbar. Die Mentees machten an diesem Abend deutlich, wie wertvoll der direkte, vertrauensvolle Austausch mit erfahrenen Unternehmerinnen für sie war. Über die Monate sind Beziehungen entstanden, die von  gegenseitigem Respekt und ehrlichem Feedback geprägt waren. Den Qualitäten, die in der Frühphase besonders entscheidend sind. Dass sich die Mentorinnen dabei ehrenamtlich engagieren, ist unser großes Glück. Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich. Unsere Mentorinnen teilen hier nicht nur Wissen, sondern machen Mut und stärken individuelle Wege. Solche Impulse lassen sich in keiner Bilanz sofort beziffern.

Das Programm macht weibliches Unternehmertum in unserer Region sichtbar. Es zeigt, dass Frauen andere Frauen auf diesem Weg gezielt unterstützen #empoweredwomenempowerwomen. In einer Zeit, in der Deutschland dringend mehr Innovation, mehr wirtschaftliche Dynamik und mehr Fachkräfte- und Gründungspotenzial braucht, ist das ein starkes Signal. Wer Gründerinnen stärkt, stärkt nicht nur einzelne Karrieren, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort. Wer will, dass mehr Frauen gründen, muss Räume schaffen, in denen genau das möglich wird. mentoring4fempreneurs ist ein solcher Raum. Ein besonderer Dank gilt unseren Mentorinnen des ersten Durchlaufs: Alexandra Sofia Wrobel, Manuela Gilgen, Regina Bernards, Susann Muth, Dr. Petra Tiedemann, Stephanie Orefice, Karoline Kutscheid, Nicolle Kaus und Manuela Näffgen.

 

 

 

Quellen

  • KfW Research: KfW-Gründungsmonitor 2025 – 585.000 Existenzgründungen in Deutschland 2024. (KfW)
  • KfW Research: Female Entrepreneurship – Frauenanteil bei Existenzgründungen im Durchschnitt 39 Prozent. (KfW)
  • Startup-Verband / Bertelsmann Stiftung: Female Founders Monitor 2025 – 18,8 Prozent Gründerinnenanteil im Startup-Ökosystem, 91 Prozent VC für rein männliche Teams, Zahlen zu Vereinbarkeit und Studienphase.
  • Existenzgründungsportal des Bundes: Bedeutung von Netzwerken für Gründende. (Existenzgründungsportal – Gründungsnetzwerke)