Pflege betrifft Millionen! Und ein erheblicher Teil davon sind berufstätige Menschen. Für KMU heißt das: Wer das Thema ernst nimmt, übernimmt nicht nur gesellschaftliche Verantwortung, sondern schützt gleichzeitig seine Mitarbeitenden. Denn die Doppelbelastung aus Berufstätigkeit und Übernahme von Pflegeaufgaben wirkt sich auf den Arbeitsalltag, die Gesundheit und die Zufriedenheit der Beschäftigten aus und betrifft damit auch Arbeitgebende. Das letzte Treffen des Netzwerks „Familienbewusste Unternehmen“ Bonn/Rhein-Sieg widmete sich diesem herausfordernden Thema. Markus Nowak, Inhaber des Netzwerkmitglieds Home Instead, zeigte an diesem Nachmittag, wie Unternehmen sich dieser Herausforderung stellen, Mitarbeitende unterstützen und langfristig Ausfallzeiten reduzieren können.

Zahlen – Daten – Fakten

  • Ende 2023 waren in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig.
  • Rund 86 % der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt – meist durch Angehörige. Schätzungen zufolge gibt es etwa 7 Mio. pflegende Angehörige in Deutschland.
  • Viele Pflegende stehen noch mitten im Erwerbsleben. Bei Pflegenden im erwerbsfähigen Alter arbeiten nur 46 % in Vollzeit, 37 % in Teilzeit und rund 18 % sind nicht mehr berufstätig – viele reduzieren ihre Arbeitszeit oder geben den Job auf, weil Pflege und Beruf nicht vereinbar sind.
  • Die Belastung vieler Pflegender ist hoch; über die Hälfte der Pflegenden berichten von hoher oder sehr hoher Belastung im Alltag.

Pflege betrifft nicht nur das private Umfeld – für viele Menschen bedeutet Pflege auch Doppelbelastung durch Beruf und familiäre Verantwortung. Für Unternehmen – besonders für KMU – ergibt sich eine Reihe von wichtigen Herausforderungen, z. B. in Bezug auf Einsatzverlässlichkeit und Produktivität der pflegenden Mitarbeitenden. Wenn Mitarbeitende Pflegeaufgaben haben, führt das oft zu reduzierter Arbeitszeit, häufigeren Fehlzeiten oder sogar Aufgeben der Arbeit. Mitarbeitende, die Verständnis für ihre Herausforderung spüren, sind aber in der Regel loyaler, zufriedener und motivierter, den beruflichen Aufgaben trotzdem gerecht zu werden – eine win-win-Situation für Mitarbeitende und Arbeitgebende! Eine familien- und pflegefreundliche Unternehmenskultur kann ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor im „Kampf“ um gute Mitarbeitende sein und die AG-Attraktivität erhöhen.

Wenn Unternehmen also frühzeitig auf Herausforderungen ihrer Mitarbeitenden mit Pflegeaufgaben reagieren können und interne Strukturen dafür schaffen, können sie ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile sichern.

Unterstützungsansätze von KMU

Markus Nowak hat in seinem Vortrag auf praktikable Ansatzpunkte für Unternehmen aufmerksam gemacht:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Gleitzeit, Teilzeit, Arbeitszeitreduzierung oder Homeoffice, wo möglich, können helfen, Arbeit und Pflege besser zu vereinbaren.
  • Information & Beratung: Viele Pflegende wissen gar nicht, welche Ansprüche sie haben, z. B. Pflegegeld, Entlastungshilfen, Kombinationsmöglichkeiten mit ambulanten Diensten. Interne Informationsangebote, z. B. über „Pflegescouts“, oder Kooperationen mit Beratungsstellen können helfen.
  • Netzwerk & externe Hilfe: Kooperationen mit ambulanten Pflegediensten, Pflege‑ und Familienberatungsstellen oder ehrenamtlichen Unterstützern können eine enorme Entlastung bringen.
  • Gesundheitsförderung & Entlastung: Pflegeaufgaben können körperlich und psychisch stark fordern. Psychologische Unterstützung, Zeit für Erholung oder betriebliche Gesundheitsförderung kann helfen, Ausfällen vorzubeugen.

An diesem Nachmittag wurde deutlich: Kein Unternehmen muss dieses Thema allein bewältigen. Die Vernetzung zwischen Arbeitgebenden, Mitarbeitenden, Pflegediensten und Beratungsstellen hilft enorm. Je besser diese Netzwerke funktionieren, desto eher kann Pflege parallel zum Beruf bewerkstelligt und Überforderung oder sogar Ausfälle vermieden werden. Im Netzwerk „Familienbewusste Unternehmen“ Bonn/Rhein-Sieg findet genau dieser Austausch statt. KMU, die solche persönlichen Kontakte und flache Hierarchien haben, können schneller reagieren, flexibler sein und individuelle Lösungen ermöglichen.

Haben Sie Interesse, Teil des Netzwerkes „Familienbewusste Unternehmen“ zu werden? Dann wenden Sie sich gerne unter
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